Schildkröten bei Vollmond

Schildkröten bei Vollmond

Das 700-Seele-Dorf Tortuguero liegt im der Provinz Limón an der Karibikkueste nahe der nicaraguanischen Grenze und ist nur mit dem Boot oder dem Flugzeug erreichbar. Autos, Strassen, sonstiges gibt es nicht. Das abgelegene Tortuguero liegt im gleichnamigen Nationalpark und bedeutet uebersetzt in etwa “der Ort, an den die Schildkroeten kommen”.

In einer wackeligen, motorisierten Nussschale fuhren wir knapp eine Stunde ueber den brackigen Kanal durch den Dschungel, indem zahllose Krokodile und Kaimane nur darauf warten, dass sich ein wagemutiger Tourist zu weit aus dem Boot lehnt.

Vorbei an kleinen Holzhäuschen auf Stelzen und einer grasenden Kuhherde die am Fluss trinkt…300m flussaufwaerts ein vor sich hin treibender Kuhschaedel. Das mit den Krokos ist also ernst zu nehmen.

Am Strand des Nationalparkes kann man bei Tag zahllose Schildkroetennester sehen, um die herum oft leere Eierschalen zu finden sind. Von sechs Uhr abend bis sechs Uhr in der Frueh ist er gesperrt und wird regelmaessig von Ranchern patroulliert. Denn in dieser Zeit kommen die Gruene Meeresschildkroete und die Lederschildkroete an Land, um im Sand ihre Eier abzulegen.

Von den Tierschuetzern und Ranchern begleitet, kann man nachts im Rahmen einer Tour ganz ohne Licht, stumm und leise am Strand verweilen und die riesigen Meerestiere bei der Eiablage beobachten. Dass man die Tiere nicht dabei stoert, hat fuer den Nationalpark hoechste Prioritaet und laesst sich daran erkennen, dass sie die Eier in gewohnter Zeit ablegen und vergraben. Denn eine sich bedroht fuehlende Schildkroete bricht die Eiablage ab und kehrt zurueck ins Meer.

Wir hatten wohl besonderes Glueck, denn in dieser hellen Vollmondnacht kamen 11 Gruene Meeresschildkroeten in naechster Naehe zu uns an Land und liessen uns an dem magischen Spektakel teilhaben. Gerade einmal einen Meter von uns entfernt vergrub eine 1.20m grosse Tortuga ihre silbernen Eier im warmen Sand von Tortuguero, wo rund 60 Tage spaeter die Schluepflinge den Wettlauf zurueck in den Ozean starten. Auf dem Weg ins Wasser lernen die Babys die Beschaffenheit und das Magnetfels ihres Heimatstrandes kennen, um 25 Jahre spaeter wieder hierher zu finden und selbst ihre Eier in den Sand zu betten.

Wer will, kann das Sea Turtle Conservancy mit einem Besuch beim Schutz der Tiere unterstuetzen.

Oder die Strassenhunde Tortugueros fuettern, die vor lauter Hunger ansonsten die Schildkroetennester pluendern.

Auf einer Kanufahr auf den Fluss Tortuguero konnten wir neben bereits bekannten Gesichtern des Dschungels wie Affen, Tukane, Schlangen und Leguanen das erste mal ein Krokodil und zwei Kaimane aus naechster Naehe sehen. Uns erging es bei dieser Begegnung gluecklicherweise besser als der Kuh auf der Herfahrt. An der Oberflaeche ankommende Luftblasen zeigen, dass unter uns Manatis unterwegs sind.

Im Nationalpark fuehren matschige Pfade durch das Dickicht des Waldes und wenn man es schafft die unentwegt schwirrenden Mosquitos auszublenden, kann man seine Aufmerksamkeit ganz den anderen Tieren des Waldes widmen.

Pfotenabdruecke eines Jaguarundi.

Oder den Tarzan machen.

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