Nachhilfe in Geschichte

In einem äquatornahen Land wie Costa Rica, wo die Sonne im 5 aufgeht und es um 18 Uhr wieder dunkel wird, hat man eigentlich keine andere Wahl als zum Morgenmensch zu werden. Unfassbar wie lange sich alleine ein Vormittag anfuehlen kann, wenn man ihn nur wach verbringt.
Bereits morgens in der Frueh hat uns ein Shuttle an den Stadtrand San Josés (bei den Ticos bekannt als ‘chepe’) gebracht, wo uns der Fahrer den Hinweis gab, immer nur nach rechts Richtung Zentrum zu gehen, niemals nach links. Kurzes Schweigen. “It’s …ehhhhh….dangerous there”.


Nach ein wenig planlosem Rumgeschlendere haben wir uns zufaellig zum Mercado Central in der Stadtmitte San Josés verlaufen, wo sich auf engstem Raum unzaehlige Sodas, Fischstaende, Lederwarengeschäfte und Kraeuterstaende befinden. Das Gebaeude aehnelt einem Labyrinth, dessen eifrigen Haendlern man sich nicht entziehen kann und nahezu an den Armen in ihre Imbisse und Laedchen gezogen wird.

Dorthaben wir ein monstroeses Aloe Vera Blatt erstanden, mit dem wir absofort die allabendliche Hautpflege erledigen konnten.


Im Museo Nacional gibt es eine Menge ueber die Geschichte des kleinen Landes (51,100km^2) in Zentralamerika zu erfahren. 1821 erhielt Costa Rica die Unabhaengigkeit von Spanien Waehrend der Kolonialzeit war in der Provinz San José vor allem der Tabakhandel vorherrschend, bis im 19 Jahrhundert der Fokus auf die Kaffeeindustrie fiel. Ausserdem auf Bananen. Jede Menge Bananen.




*Seit 1848, die blauen Streifen symbolisieren das karibische Meer und den Pazifik, welche das Land umgeben, der weisse Streifen symbolisiert das Bindeglied Zentralamerika zwischen dem Norden und den Sueden des Landes. *
Auf der Rueckfahrt mit dem oeffentlichen Bus stieg an der zweiten Haltestelle ein unfassbar gepflegter Mann mit einer riesigen Reisetasche ein und stellte sich mitten auf den Gang. Er oeffnete seine Tasche und zog…Zahnbuersten hervor. Dann begann der viertelstuendige Verkaufsvortrag ueber all die grandiosen Vorteile dieser stinknormalen Handzahnbuerste und dass es beim Kauf von zweien glatt noch eine Packung Zahnseide gratis dazu gaebe (in Costa Rica gibt’s das Zeug genau wie bei uns in jedem Supermarkt hinterhergeschmissen). Wir haben nur amuesiert zugeglotzt und uns gefragt, wieso der arme Wicht sich mit diesen sowas von durchschnittlichen Plastikschrubbern zur Wurst macht…bis nach dem letzten Wort die Haelfte des Busses doch tatsaechlich mit Geldscheinen wedelte. Unterm Strich ist der charmante Kerl 14 Zahnbürsten und zweimal Zahnseide losgeworden.
Nach all den suendigen Mahlzeiten, die wir bis dato genossen hatten, dachten wir es sei doch eine nette Abwechslung, selbst etwas zu kochen. Der Einfachheit halber entschieden wir uns fuer Spaghetti mit Tomatensoße. Glücklicherweise gibt es fertige Salsa con Tomate (also Tomatensosse) im Kiosk ueber die Strasse. Erst beim Kochen stellte sich dann heraus, dass es sich bei der Salsa ums stinknormales Tomaten-Ketchup handelte, von dem wir aus unserer dekadenten Naivitaet heraus einen 2l Kanister erworben haben. So denn.


Eine gebaerende Kakerlake in der Hostelkueche versuesst uns zusaetzlich unser verkorkstes Abendmahl.
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